Das Matterhorn der Eifel

Bevor ich in die Eifel zog, war die Eifel ein einfaches Gebirge, ohne eine besondere Bedeutung. Seit einem Jahr darf ich die Eifel als meine Heimat bezeichnen und kann nun ein ganz anderes Resümee ziehen: Die Eifel ist ein Gebirge voller Überraschungen und wundervollen neuen Eindrücken. So war es für mich beispielsweise überraschend, als ich vom Matterhorn der Eifel erfuhr. Das Matterhorn ist ein über 4000 m hoher Berg in den Alpen und liegt nun mal nicht in der Eifel. Warum soll daher die Eifel mit dem Matterhorn verglichen werden? Um auf diese Frage eine Antwort zu finden, musste ich das Matterhorn der Eifel mit eigenen Augen sehen.

Nationalpark Eifel: Die Zeichen stehen auf gelb

Meine Route führte mich ins Perlenbachtal, am Rande des Nationalparks Eifel. Von dort aus ging es in ein kleines Wäldchen hinein, entlang des Perlenbachs. Ein wirklich schöner Routenstart. An einer Kreuzung begann die große Rundwanderung, durch das Naturschutzgebiet Perlenbach-Fuhrtsbachtal.

Wahrscheinlich werden jetzt viele Einheimische hellhörig. Könnte es sich etwa um die berühmte Narzissenroute handeln? Die Narzissenroute zählt zu den schönsten Routen in der Eifel und ist daher im Frühjahr gut besucht. Kein Wunder: Millionen von Narzissen erstrecken sich im Naturschutzgebiet Perlenbach-Fuhrtsbachtal und verwandeln die Eifel in ein Blumenmeer. Ein weiteres Highlight ist das sogenannte Narzissenfest, welches jedes Jahr im April stattfindet.

Um auf die Frage zurück zu kommen: Ja, es handelt sich tatsächlich um die Narzissenroute, die ich auf jeden Fall im kommenden Frühjahr besuchen werde. Doch auch ohne Narzissen ist diese Route eine so ruhige und zugleich mystische und idyllische Route, die nach meiner Meinung zu den bislang schönsten Eifel-Routen zählt. Die hohen Fichten haben einen besonders schönen Charme. Jeder, der sich auf diese Route begibt, wird ein Gefühl von Urlaub im Schwarzwald oder Allgäu (natürlich ohne Berge) empfinden.

Eine Route mit Geschichte

Die Eifelroute ist sehr gut beschildert, aber auch ohne große Kartenkenntnisse, kannst du dich am Perlenbach und dem Fuhrtsbach orientieren. Der Name Perlenbach kommt nicht von ungefähr. Die Qualität des Wassers ermöglichte die Ansiedlung von Flussperlmuschel, sodass zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert Perlen gezüchtet wurden. Heutzutage gilt die Muschel allerdings als nahezu ausgestorben.

Auch das Fuhrtsbachtal hat ihre geschichtlichen Spuren hinterlassen. Auf der Strecke befinden sich mehrere um 1938 erbaute „Westwall“-Bunker, die an die schweren Winterkämpfe des 2. Weltkriegs erinnern. Zwei Bunker blieben recht gut erhalten.

Ebenfalls an der Route gelegen ist die zur Trinkwassergewinnung angelegte Perlenbachtalsperre, die ein Fassungsvermögen von 800.000 Kubikmetern aufweist.

Der Weg zum Matterhorn

Auf der Route hast du nicht nur einen wunderschönen Ausblick auf die weiten Felder, dem Perlenbach und Fuhrtsbach, sowie dem Naturschutzgebiet (der nicht betreten werden darf), du erhältst über Hinweisschilder viele Informationen über dieses Naturschutzgebiet der Eifel.

Wenn du den Routenschildern folgen möchtest, dann orientiere dich an die gekennzeichnete Narzissenroute. Doch Vorsicht: Auf dieser Route ist nicht der Weg zum Matterhorn der Eifel abgebildet. Zwischen Jägerstief und Oberer Steg führt nämlich eine kleine unscheinbare Abzweigung zur belgischen Grenze. Diese lässt sich an einem blauen Wahrhinweisschild erkennen. An der belgischen Grenze sind Soldaten am Camp Elsenborn stationiert, die unterhalb der Woche Schießübungen durchführen. Daher ist die Betretung nur am Wochenende erlaubt. Sobald du dich auf der belgischen Seite befindest, trennen dich nur 5 Gehminuten bis zum Ziel.

Die Aussicht war mehr als eindrucksvoll. Felsen ragten aus dem Boden hervor und bildeten kleine Bergformationen. Eine gewisse Ähnlichkeit zur Bergspitze des Matterhorns ist tatsächlich zu erkennen. Doch auch der Blick in die Ferne war unbeschreiblich schön. Die Sonne schien und ich konnte die Schönheit alleine und in Ruhe genießen. Lediglich einige Spaziergänger kamen aus Deutschland und Belgien vorbei.

Ich war froh, dieses Fleckchen Erde in Ruhe und ohne Massentourismus genießen zu dürfen.

Eine besondere Begehungsstätte in der Eifel

Ich hätte nicht damit gerechnet, dass der Ort eine besondere Begehungsstätte zweier Nationalitäten werden würde. So lernte ich beispielsweise am Matterhorn der Eifel den Autor des Romans „Der Vorleser der Alten Dame“ kennen. Es war spannend, seine Erlebnisse rund um die Eifel zu lauschen, die ebenfalls in seinen Geschichten eingebunden wurden. Auch begegneten mir aus Belgien Spaziergängerinnen, mit denen ich mich austauschen konnte und die mir über die Coronalage in Belgien berichtet haben.

Ich liebe solche Begegnungen. Alleine zu wandern ist niemals eine einsame Wanderung. Hier lernst du viele unterschiedliche Charaktere kennen und kommst leicht ins Gespräch. Wenn du deinen Weg alleine fortführen möchtest, dann ist dies ohne Probleme möglich. Ohne Begleitung zu wandern hat daher gewisse Vorzüge: Ich nehme meine Umgebung noch viel intensiver wahr und lerne zugleich Menschen kennen, die dasselbe Interesse für die Natur teilen, wie ich.

Wenn du entlang des Fuhrtsbaches gelaufen bist, dann orientiere dich an der Route 23 bis zum „Unterer Steg“. Von dort aus nimmst du die Route 73 und läufst knapp 3 Kilometer entlang am Perlenbach zurück zur Höfener Mühle.

  • Startpunkt: Parkplatz Perlbacher Mühle
  • Schwierigkeit: leicht
  • Dauer: 4 h
  • Aufstieg: 330 hm
  • Abstieg: 330 hm

Mehr Wandertipps in der Eifel erhältst du in meiner Wachgeküsst-Reihe:

4 Comments

  1. Tolle Fotos vom Bieley-Felsen. Könnten Sie diesbezüglich bitte Kontakt mit mir aufnehmen, da ich Sie über die angegebene E-Mail-Anschrift nicht erreichen kann.

    • Jessica Reply

      Vielen Dank für die lieben Worte. Gerne melde ich mich bei Ihnen.

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