Am Pointe du Pointe – ein Sommerurlaub in der Bretagne

War das ein turbulenter Sommer. Die diesjährige (Fern)Reisplanung glich einem Russischen Roulette. Bereits im Juli wollten wir an die Costa Brava fahren. Doch die Grenzen waren dicht. So mussten wir den Urlaub auf den September verschieben. Doch auch im September schlug Corona wieder ein – Risikogebiet. Für meinem Freund und für mich waren dennoch zwei Punkte klar: 1. Wir wollen ans Meer und 2. wir wollen keine Menschenansammlungen. Wo in Europa treffen diese beiden Kriterien zu gleichen Zeit zu? Antwort: In der Bretagne. Ein Bretagneurlaub ist kein typischer Sommerurlaub. Das wurde mir bereits seit dem letzten Urlaub in der Bretagne deutlich.

Die Wetterverhältnisse in der Bretagne

Wer in der Bretagne Temperaturen von 40 Grad erwartet, inklusive 100 % Sonnenstundengarantie und warme 28 Grad Wassertemperatur, den muss ich leider enttäuschen. Ein Urlaub am Atlantik darf nicht mit dem Mittelmeer verwechselt werden. Die Wetterverhältnisse in der Bretagne können unberechenbar sein. Wenn im ersten Moment die Sonne scheint, kann es im nächsten bereits regnen. In der Bretagne musst du auf alles vorbereitet sein. Daher habe ich für diesen Urlaub direkt für drei Jahreszeiten (Frühling, Sommer, Herbst) eingepackt. Sicher ist sicher. Da ich selber eine Frostbeule bin, würde ich sagen, dass Schwimmen im Atlantik nur etwas für ganz mutige oder auch Warmblüter ist. Mit 17/18 Grad Wassertemperatur musst du hier nämlich rechnen.

Wahrscheinlich denkst du jetzt? „Na toll, was soll ich dann bitte in der Bretagne? Das ist doch gar kein Sommerurlaub!“ Dem muss ich widersprechen. Die Bretagne ist auf jeden Fall ein Sommerurlaub. Wenn du jeden Tag mit 40 Grad in der Sonne liegen willst, dann ist die Bretagne wahrscheinlich wirklich nicht der richtige Urlaubsort für dich. Wenn du aber flexibel bist, Landschaften, Strände & Städte liebst oder dich auch sportlich betätigen möchtest, dann bist du in der Bretagne goldrichtig.

Wandern am Pointe du Raz und Pointe du Van

Unser Urlaubsziel hieß: Pointe du Raz. Der Pointe du Raz wird auch als Pointe du Pointe (der Punkt der Punkte) bezeichnet. Das liegt daran, weil der Pointe du Raz der westlichste Punkt in Frankreich ist. Bei Sturm peitscht der Atlantik gegen die 72 m hohe Felslandschaft und brechen an den kantigen Riffen.

Während unseres Aufenthaltes, haben wir öfters eine Rundwanderung an dem westlichsten Punkt mit Blick auf auf die Ile de Sein gemacht. Als Startpunkt für den Rundgang würde ich den kostenfreien Parkplatz am Plage de la Baie des Trépassés wählen. Dieser Standort ist ideal, um auch am Pointe du Van zu wandern. Ich empfehle dir, beide Wandertouren miteinander zu kombinieren. Denn während der Pointe du Raz von vielen Besuchern angezogen wird, ist der Pointe du Van das ganze Gegenteil. Dieser ist eher ruhig – beinahe schon meditativ. Wir haben die Kombination aus beiden Wanderrouten gewählt und waren von der Schönheit des Atlantiks mehr als begeistert.

Vom Parkplatz aus, läufst du auf dem Wanderweg entlang der Felsen, mit einem wundervollen Blick auf den Strand und dem Atlantik. Es geht teilweise steil hoch. Daher sind trittsichere Wanderschuhe ein Muss. Immer wieder ragen Granitfelsen aus dem Meer heraus und bilden kleine Buchten. Wunderschön und malerisch. Von weiten kannst du bereits die im 12. Jahrhundert erbaute Chapelle Saint-They entdecken, die sich in Mitten einer lilafarbenen Heidelandschaft befindet. Diese kleine Kapelle steht ganz einsam und verlassen auf dem Felsen, sodass ich mich frage, welche Geschichte sich dahinter verbergen muss.

Am Pointe du Van angekommen, kehrten wir um und machten uns auf den Weg zum berühmten Pointe du Raz. Ich bemerkte, dass der Weg sich mit immer mehr Menschen füllte. Wenn du jedoch am bretonischen Kap angekommen bist, dann verstehst du auch, warum dieser so magnetisch wirkt. Einen so schönen Wanderweg, direkt am Meer, hatte ich bislang noch nicht gesehen. Am westlichsten Punkt, erblickst du die Leuchttürme La Vieille und Trévennec, die sich vor der Ile de Sein befinden. Da wir mit dem Wetter so viel Glück hatten, konnten wir auch den Phare Ar Men sehen, ein Leuchtturm, der sich weit und mitten im Atlantik befindet.

Unser Highlight in der Bretagne war der Sonnenuntergang am Pointe du Raz. Warm eingepackt, machten wir uns am Abend erneut auf den Weg. Leider war der Himmel teilweise stark bewölkt. Doch schaurig schön war der Anblick, als wir hinter uns blickten. Auf der einen Seite ging die Sonne unter und im selben Moment ging auf der anderen Seite der Mond auf. Ich war wie hypnotisiert. Die Schönheit lässt sich nicht in Worte beschreiben. Und als könnte es nicht besser werden, bekamen wir noch tierischen Besuch.

Am Pointe du Pointe war ich dabei, mein Stativ aufzubauen, als mein Freund plötzlich nach mir rief. Aus dem Wasser sprang ein Schwarm silberne Fische empor. Sie leuchteten so schön und der Atlantik funkelte in hellen Farben. Damit aber nicht genug. Im selben Moment sprang ein Delphin zwei Mal empor, und drängte die Fische an die Felsküste. Noch nie habe ich ein Delphin in freier Wildbahn in einer solchen Nähe gesehen. Es war der schönste Moment des gesamten Urlaubes, den ich leider nicht fotografisch aufnehmen konnte. Diesen werde ich dennoch im Herzen bewahren.

  • Startpunkt: Parkplatz Plage de la Baie des Trépassés
  • Schwierigkeit: mittel
  • Dauer: 5,30 h
  • Aufstieg: 232 hm
  • Abstieg: 232 hm

Zwischen Strandurlaub und Städtetrip

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, war das Wetter in diesem Bretagneurlaub besser, als ich es mir vorgestellt habe. Die Sonne schien beinahe an jedem Tag. Ich konnte bei sonnigen 25 Grad im Kleid am Strand entlanglaufen und war überglücklich, als ich den Atlantik sah.

Bereits bei unserer Anreise stockte mir der Atem, als ich unser wunderschönes Häuschen – mit einem direkten Blick aufs Meer – sah. Der Anblick erinnerte mich an einem Sonntagabendfilm auf ZDF. Bei so viel Idylle, Ruhe und beim traumhaften Ausblick aufs Meer, machte mein Herz Freudensprünge.

Der Surfthotspot der Bretagne

Wir verbrachten unseren Urlaub hauptsächlich an zwei Strände: Am Plage de la Baie des Trépassés und am Strand von Tréboule in Douarnenez. Beide Strände könnten nicht unterschiedlicher sein. Unser 300 m langer Hausstrand – Plage de la Baie des Trépassés – erinnerte mich an einem Strand auf Hawaii. Allerdings ohne Palmen, sondern mit Dünen, Hügeln und Felsen. Dieser Strand liegt zwischen dem Pointe du Raz und dem Pointe du Van. Bereits am Parkplatz reihten sich Bullis und andere Wohnwagen aneinander. Die meisten von denen kamen aus Deutschland. Der Grund dafür ist ganz einfach erklärt: Trépassés ist DER Surfhotspot in der Bretagne. Am Pointe du Raz ist es besonders stürmisch. Für allerlei Wassersportaktivitäten ist es DIE Pilgerstätte. Deutsche, Franzosen, Niederländer & Co. warten in ihren Wohnwagen auf die nächste große Welle und stürmen mit ihren Brettern und Neos beinahe gleichzeitig ins Meer.

Wer selber nicht surfen kann, es aber erlernen will, kann sich morgens zum Surf Kurs bei 461 Surf anmelden. Glücklicherweise betreuen auch deutsche Surflehrer die Surfneulinge. Sprachbarrieren dürften somit kein Problem sein. Ich persönlich wollte schon immer das Surfen erlernen, aber ich habe mich zunächst auf das Body Boarden fokussiert und kann es jedem empfehlen, der noch zu großen Respekt vor dem Brett hat. Wenn du keine Lust aufs Surfen hast, dann hast du dennoch genügend Platz, um dich am Strand zu sonnen oder im Wasser zu schwimmen. Falls du jedoch, genauso kälteempfindlich bist, wie ich, dann empfehle ich dir einen langen Neoprenanzug oder einen Shorty. Damit kannst du – je nach Dicke des Materials – bis zu zwei Stunden im Wasser bleiben.

Auch der Sonnenuntergang ist ein Traum und live romantischer, als ihn jeder Groschenroman hätte beschreiben könnte. Viele versammeln sich kurz vorher am Strand, nehmen sich Decken, eine Flasche Wein und etwas Brot mit, machen es sich auf der Sandbank gemütlich und kuscheln sich zusammen warm.

Ein Hauch von Südsee

Wenn du ein Freund oder eine Freundin von malerisch ruhigen Stränden bist, dann bist du am Strand von Tréboule genau richtig. Douarnenez beheimatet einen Hauptstrand – den Plage du Riz – sowie drei kleine Strände bzw. Buchten. Sie sind kleine Juwelen, denn hier halten sich kaum Touristen auf und du kannst die Schönheit des Atlantiks beinahe für dich alleine genießen. Ein Wanderweg – direkt am Atlantik – verbindet die Buchten miteinander, sodass diese leicht zugänglich sind.

Sehenswerte Städte im Westen der Bretagne

Neben unseren Wanderungen und Stranderholungen, haben wir auch einige Städtetrips unternommen. Nun folgen die drei sehenswertesten Städte, die du im Westen der Bretagne nicht verpassen solltest:

Platz 1: Quimper

Die bretonische Stadt Quimper – auch Kamper genannt – ist allemal eine Reise wert. Problematisch könnte es allerdings mit der Suche nach einem Parkplatz sein. Daher empfehle ich dir, möglichst außerhalb zu parken. Weiterhin ist zu erwähnen, dass die Bretagne zwar während unseres Aufenthaltes Corona frei war, jedoch besteht in der Stadt Maskenpflicht. Diese Vorkehrungen haben mir gut gefallen und kann ich nur begrüßen. Dennoch kann so eine Maske auf Dauer doch etwas störend sein.

Nun aber zu den Gründen, warum du Quimper besuchen solltest. Da ich mich seit kindheitstagen für Geographie interessiere, begeistern mich Städtekonzepte immens. Mitten in Quimper steht die Kathedrale St. Corentin. Sie bildet das Zentrum und von hier aus führen alle Wege in allen sämtlichen Himmelsrichtungen. Dir werden nicht nur mittelalterliche Gebäude begegnen, sondern auch viele niedliche Fachwerkhäuser. Auch die kleinen mit blumenverzierten Brücken sind nicht zu verachten. Durch Quimper fließt nämlich der Fluss Odet. Ein Spaziergang durch die Gassen von Quimper ist empfehlenswert. Hier begegnen dir viele kleine Patisserien, in denen die berühmten Maccarones verkauft werden.

Und wo ich gerade beim Thema Leckereien bin: In Quipmper ist eine ganze Crêperiestraße angesiedelt. Ein Restaurant folgt dem nächsten und du wirst dich gar nicht entscheiden können, in welches bunte und sehr schöne Ambiente du lieber speisen möchtest. Auf Empfehlung hin, waren wir in der Crêperie de la Place au beurre. Die beste Crêperie der Stadt. Wie in allen Restaurants hast du die Wahl zwischen einem süßen oder einem herzhaften Crêpe. Am liebsten hätte ich mich durch die gesamte Speisekarte probiert.

Platz 2: Douarnenez

Douarnenez ist nicht nur für seine traumhaften Strände sehenswert, sondern auch für einen netten Spaziergang durch die Stadt und dem Besuch am Hafen.

Douarnenez ist eine sehr weitläufige Stadt mit über 13.000 Einwohnern. Die Stadt beherbergt nicht nur eine Kirche und mehrere Kapellen, sondern ist für seinen Fischereihafen sehr bekannt. In der Fischkonservenfabrik Pointe de Penmarc’h werden nicht nur Fische konserviert, die am Hafen gefischt werden, sondern in der Verkaufshalle ebenfalls frisch verkauft. Wer also frischen Fisch sucht, sollte in Douarnenez vorbeischauen.

Platz 3: Locronan

Locronan ist mit gerade mal über 800 Einwohnern eine sehr kleine Gemeinde im Westen der Bretagne. Wenn du mit dem Auto anreisen möchtest, musst du vor Locronan zahlungspflichtig parken.

Direkt am Dorfeingang erblickst du die Kirche Saint-Ronan. Der heilige Ronan war ein irischer Mönch, der in Locronan begraben liegt. Das gesamte Dorf ist gotisch gehalten und wirkt wie eine Kulisse für einen mittelalterlichen Film. Um die Kirche herum befinden sich viele kleine Geschäfte, Souvenirläden und Crêperien. Dieses kleine Dorf lässt sich zwar schnell erkunden, sollte aber dennoch auf dem Tourenplan stehen. Um Locronan herum ist die Umgebung sehr landschaftlich geprägt. Für einen Spaziergang in der Natur eine sehr gute Empfehlung.

2 Comments

Leave A Reply

Navigate